Juli 2010


Das waren sie nun, die Superweek, das älteste und längste Pro ½ Rennen der USA, und mein erster Aufenthalt in den Staaten. Ich gehe hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge morgen an Bord des Fluges zurück nach Deutschland. Die Gastfreundschaft unserer Familien, wo wir untergebracht waren, ist unbeschreiblich gewesen: Wer in Deutschland gibt 5 völlig Fremden Jungs seinen Haustürschlüssel, damit sie hineinkommen, da man selbst nicht da ist und schaut erst nach 5 Tagen Aufenthalt nach dem Rechten? Wir hatten hier allen Luxus der Welt und konnten es uns, nach und vor den Rennen, richtig gut gehen lassen. Das war auch wichtig, da die 17 Rennen in 17 Tagen sonst an der Psyche und nicht nur an der Physis gekratzt hätten. Langeweile kam nie auf und die Tage verflogen wie im Nichts.

Die Superweek begann im Süden von Chicago und endete im Norden von Milwaukee. Die Rennen verliefen vom Verlauf her relativ ungewöhnlich.  Aber nach drei oder vier Wettbewerben haben wir uns drauf eingestellt und konnten meinen ersten Erfolg feiern. Der Sieg beim Straßenrennen in „Willow Springs“ kam für mich nicht überraschend, da die Strecke selektiv war und ich in der Ausreißer-Gruppe die sechs anderen Jungs im Griff hatte. Überraschend für mich war jedoch, dass ich letztendlich auf das Trikot des Sprinters hier fahren musste und konnte. Bei sämtlichen Sprintwertungen in den ersten Tagen versuchte ich stets mich zu verstecken, um nicht aufzufallen und anderseits meine Körner für die letzten Tage aufzuheben, aber dennoch ein paar Punkte zu erhaschen.

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Als ich später in den Top fünf der Gesamtwertung als auch der Sprintwertung lag, versuchte ich beides unter einen Hut zu bekommen. Einerseits gelang es mir Punkte für das Sprinttrikot zu sammeln und anderseits belegte ich mit den beiden dritten Plätzen in Evanston und South Shore zwei weitere Podiumsplatzierungen. In Evanston gelang es mir mit Hilfe von Andreas Müller zusammen dem Feld in den letzten 10 Runden zu entkommen und ich fuhr bei fast 5000 Zuschauern die letzten 5km mit Gänsehaut allein vor dem Feld ins Ziel.

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Die letzten Tage waren aufgrund meiner guten Positionen in beiden Wertungen alles andere als einfach. Die anderen Teams ließen mich auf keinen Fall in einer Ausreißer Gruppe ankommen und probierten alles, welche ohne mich und/oder ohne die anderen Favoriten zu stellen. Dass dies nicht passierte, lag vor allem an der Fahrweise und der Gemeinschaft von uns Deutschen. Andreas Müller, Bastian Faltin und Harry Kraft hielten in den nötigen Momenten das Feld zusammen, oder bremsten es, um mich und Freyer bestmöglich entkommen zu lassen. Sebastian Frey konnte sich mit seiner Erfahrung und seiner Sprintstärke innerhalb einiger Tage oftmals davonschleichen und belegte neben mir die meisten Platzierungen. In den letzten Tagen schielten wir nicht nur auf das Trikot des besten Sprinters, wir hielten und verteidigten es.

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Da der Gesamtführende Aurellion Passeron (ehemals Saunier Duval) gesundheitlich schwächelte und deswegen 3 Rennen aussetzte, übernahm ich von ihm am vorletzten Tag das Gelbe Trikot. Von nun an hatte ich jedoch ein Problem: Die 4 Sprintwertungen pro Rennen, welche jeweils bei Runde 50, 40, 30 und 20 ausgetragen wurden, stellten schlechthin die Gefahr dar, das Gelbe Trikot zu verlieren. Denn nach einer ausgefahrenen Wertung braucht man immer ein bisschen Zeit zur Erholung und genau in dieser Rennphase attackierten die anderen Jungs, der Gesamtwertung, um mich abzustellen. Jonathan Cantwell (Fly V Australia) erledigte dies in Perfektion und nahm mir das Gelbe Trikot gnadenlos nach einem Tag wieder ab. Er gewann die letzten Rennen, vor allem dank seines bärenstarken Anfahrers Ben Kersten.

Ich sicherte den zweiten Platz ab und verteidigte gegen Philipp Mann (Bahati Foundation) das Rote Trikot. Damit kann und konnte ich mehr als zufrieden sein und habe hiermit einen meiner größten Erfolge zu feiern. In den kommenden Tagen / Wochen wird sich hoffentlich meine sportliche Zukunft klären und ich finde ein neues Team.

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Gestern stand wieder ein Kriterium an, bei welchen wir als erstes versuchten, das Rote Führungstrikot des Besten Sprinters zu verteidigen. Das gelang sehr gut und wir konnten Philipp Mann (Bahati Foundation) im Schach halten und meinen Vorsprung auf 8 Punkte ausbauen.

Direkt nach einer Sprintwertung attackierte Jonathan Cantwell (Fly V Australia) und konnte sich mit sieben weiteren Fahrern absetzen. Der einsetzende Regen und die schhlechtere Sicht, durch den aufkommenden Nebel, machten das Fahren auf der 1km langen Runde nicht einfacher. Ich setzte alles in den Feldsprint und wurde glücklicher Zweiter des Feldes und damit 10. gesamt. Mit den erzielten Punkten des Tages trage ich heute neben dem Roten  auch das Gelbe Trikot des Gesamtführenden der Superweek.

Beide Trikots zu verteidigen wird sicher fast unmöglich sein, da ich auf vier Fahrer achten muss. Einerseits zwei Fahrer, die auf das Rote Trikot schielen und anderseits die beiden Favoriten für die Gesamtwertung der Superweek. Ich muss somit die Sprintwertungen voll fahren und nachdem die Sprints gefahren sind, die Attacken der beiden Gesamtwertungsfahrer entgegenhalten.

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Wir werden sehen… Eines weiss ich jedoch, dass wir Deutschen als Team zusammenhalten und versuchen werden, das Beste herauszuholen. So war es die vergangenen Tage und ich hab den Jungs bereits jetzt viel zu verdanken.

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Die letzten Straßenrennen verliefen alle relativ gleich. Der führende Franzose klebte an meinem Hinterrad. Ich versuchte entweder ruhig zu bleiben oder die Entscheidung in einer Gruppe ohne ihn zu suchen. Dadurch, dass Jonathan Cantwell (fly V Australia) ein Straßenrennen gewann und ich einmal in einer Gruppe ohne den Franzosen entkam, rutschten wir Drei dichter in der Gesamtwertung zusammen.

Resultierend aus den letzten 3 Tagen ist Jonathan Cantwell der vermeintlich Stärkste der ersten drei platzierten Rennfahrer in der Gesamtwertung. Die letzten drei Rennen werden entscheidend für die Gesamtwertung wie auch für das Sprintertrikot sein. Da ich versuchen werde das Sprintertrikot zu verteidigen, werde ich vielleicht auch die Chance haben, in einer Gruppe dem Feld zu entkommen.

Mir entgegen kam gestern eine Tornadowarnung und die Absage des Rennens. Wir fuhren nach Racine (südl. von Milwaukee) und das Wetter verschlechterte sich von Stunde zu Stunde. Das Rennen wurde gestartet und nach ca. 20 Runden unterbrochen, da die Signalhörner der Stadt ertönten. Die Jury und die Rennleitung diskutierten, ob das Rennen abgebrochen oder nur unterbrochen werden sollte. Letztendlich war es für alle vertretbar das Rennen zu beenden und zu streichen.

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So hatte ich meinen ersten Ruhetag nach 13 anstrengenden Rennen!

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Ich stelle vor: Im Auto - Andreas Müller Klar zum Schuss - Harry Kraft. Deckung! - Bastian Faltin. Hände Hoch! - iche. Grinsend - Sebastian Frey. Rechts Außen: der Wagenbesitzer - kurz nach dem Foto wurde er unruhig…

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Huihuihui der 10. Tag war hart richtig hart. Nach ca 20 Runden stand eine große Gruppe an der Spitze, aber im Feld wurde nicht locker gelassen. Die ersten beiden Sprintwertungen wurden mir von Sebastian, Andreas und Falte super angefahren und ich konnte jeweils punkten, so dass ich am Ende des Tages das Trikot des Besten Sprinters bekam. Mit 84 Punkten kann ich es auch hoffentlich bis zum letzten Tag verteidigen.

Ca. 10 Runden vor Schluss wurde es richtig unruhig und wir fuhren auf die große Spitzengruppe auf. Andreas fuhr einen Prämiensprint für mich an und plötzlich hatten wir ein Loch von rund 50m zum Feld. Sebastian bließ zur Attacke und wir rasten schlichtweg weiter. 5 Runden vor Ende befanden sich Andreas und ich allein in der Verfolgung der beiden Spitzenreiter von Fly V Australia. Andreas gab alles und setzte mich in den letzten 3km ab. Ich konnte den Vorsprung zum Feld halten und wurde dank Andreas Hilfe Dritter des Tages.

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