Sommersaison 2010


Seit fast zwei Wochen bin ich in Davos und bereite mich hier auf die Querfeldeinsaison intensiv vor. Die Motivation, die etlichen Berge hier zu erklimmen, stimmt. Die ersten Tage verliefen nach Plan und das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Ich bekam nen schönen Sonnenbrand auf der Nasenspitze und wusste bergauf nicht, was ich zuerst ausziehen soll. Mit Ende letzter Woche jedoch kam dieser hässliche Norwestwind auf und von hier auf jetzt änderte sich die Wetterlage von trockenen 25Grad Plus auf nasse 3 Grad Plus. Freitag fuhr ich fast 3h durch strömenden und wirklich kalten Regen. Samstag flüchtete ich in das nicht weit entfernte Trail- und MTB Paradies Livigno und fuhr am Sonntag eine schicke Runde mit der Legende Hans Rey und den Jungs von Giro.

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Trails rocken können die Jungs, aber um eine Flasche Wein zu öffnen, brauchten Sie vier Hände :-).

Am Tag darauf wollte ich schon gar nicht mehr die Hiobsbotschaften der Wetterdienste erhören und flüchtete in die Davoser Kletterhalle. “SCHNEEFALL! ab einer Höhe von 1500m und das im August!”

Igendwie ist der Winter hier angekommen und ich fahre heut eine lockere Einheit auf der Rolle. Nachmittags werde ich versuchen ein paar Kilometer auf der Straße zu absolvieren. Morgen werde ich höchstwahrscheinlich aus den Bergen etwas vorzeitig flüchten und im Tal von Chur trainieren gehen.

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Fast pünktlich, ein Jahr nach meinem schweren Verkehrsunfall, begann ich mit der Vorbereitung auf die diesjährige Crosssaison.

Der Rennplan wird geschrieben und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Ich bestellte bereits etliche Reifen bei den üblich Verdächtigen und werde mich ab Donnerstag für zwei Wochen in die Schweiz begeben. Dort stehen etliche Trainingseinheiten in den Bergen auf dem Plan.

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Meine erhofften Erwartungen auf schlechtes Wetter und gute Beine wurden nicht erfüllt. Im Gegenteil: Das Wetter war zum Glück der Zuschauer und Betreuer prächtig und meine Beine schwächlich. Schon von den ersten Metern an spürte ich, dass ich keinesfalls der Spitzengruppe mithalten kann.

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Bild: Hagen Uhlemann

Der Versuch allein zu fahren und vielleicht später wieder vorn aufzuschließen schlug fehl. Ich wurde immer weiter nach hinten durchgereicht und konnte in keiner Minute Druck auf die Schuhplatten bringen. Letztendlich entschied ich mich mit Ende der zweiten Runde auszusteigen und den restlichen Sonntag zu genießen. Von dem kurzen Abstecher in der Notaufnahme abgesehen - ich war nur Chauffeur und nicht Geschädigter - war dieser auch wesentlich entspannter.

Thomas Nicke gewann trotz Platten den EBM zu 8ten mal und wird ihn mit seiner gezeigten Leistung auch noch 8mal verteidigen. Sebastian Stark (TBR Racing) fuhr ein Hammer Rennen und beendete es vor Dano (TrengaDe) auf dem Zweiten Rang.

Für mich heisst es, aufgrund des schlechten Auftretens noch nicht wieder in das Training einzusteigen und eine weitere Woche Ruhe zu genießen. Die Superweek in den USA steckt mir noch zu tief in den Beinchen und die Erholung besitzt jetzt Vorrang.

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Bild: peletonpix - Superweek 2010

Mit Mitte August beginnt die Vorbereitung auf die Crosssaison, bei welcher ich Euch zu aller erst meinen neuen Hauptsponsor vorstellen möchte. Geplant sind 2 Wochen Grundlage und Krafteinheiten in der Schweiz mit einem Abstecher zur Eurobike.

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Text: Steffen Bauer, erschienen: Freie Presse 27.07.2010

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Das waren sie nun, die Superweek, das älteste und längste Pro ½ Rennen der USA, und mein erster Aufenthalt in den Staaten. Ich gehe hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge morgen an Bord des Fluges zurück nach Deutschland. Die Gastfreundschaft unserer Familien, wo wir untergebracht waren, ist unbeschreiblich gewesen: Wer in Deutschland gibt 5 völlig Fremden Jungs seinen Haustürschlüssel, damit sie hineinkommen, da man selbst nicht da ist und schaut erst nach 5 Tagen Aufenthalt nach dem Rechten? Wir hatten hier allen Luxus der Welt und konnten es uns, nach und vor den Rennen, richtig gut gehen lassen. Das war auch wichtig, da die 17 Rennen in 17 Tagen sonst an der Psyche und nicht nur an der Physis gekratzt hätten. Langeweile kam nie auf und die Tage verflogen wie im Nichts.

Die Superweek begann im Süden von Chicago und endete im Norden von Milwaukee. Die Rennen verliefen vom Verlauf her relativ ungewöhnlich.  Aber nach drei oder vier Wettbewerben haben wir uns drauf eingestellt und konnten meinen ersten Erfolg feiern. Der Sieg beim Straßenrennen in „Willow Springs“ kam für mich nicht überraschend, da die Strecke selektiv war und ich in der Ausreißer-Gruppe die sechs anderen Jungs im Griff hatte. Überraschend für mich war jedoch, dass ich letztendlich auf das Trikot des Sprinters hier fahren musste und konnte. Bei sämtlichen Sprintwertungen in den ersten Tagen versuchte ich stets mich zu verstecken, um nicht aufzufallen und anderseits meine Körner für die letzten Tage aufzuheben, aber dennoch ein paar Punkte zu erhaschen.

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Als ich später in den Top fünf der Gesamtwertung als auch der Sprintwertung lag, versuchte ich beides unter einen Hut zu bekommen. Einerseits gelang es mir Punkte für das Sprinttrikot zu sammeln und anderseits belegte ich mit den beiden dritten Plätzen in Evanston und South Shore zwei weitere Podiumsplatzierungen. In Evanston gelang es mir mit Hilfe von Andreas Müller zusammen dem Feld in den letzten 10 Runden zu entkommen und ich fuhr bei fast 5000 Zuschauern die letzten 5km mit Gänsehaut allein vor dem Feld ins Ziel.

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Die letzten Tage waren aufgrund meiner guten Positionen in beiden Wertungen alles andere als einfach. Die anderen Teams ließen mich auf keinen Fall in einer Ausreißer Gruppe ankommen und probierten alles, welche ohne mich und/oder ohne die anderen Favoriten zu stellen. Dass dies nicht passierte, lag vor allem an der Fahrweise und der Gemeinschaft von uns Deutschen. Andreas Müller, Bastian Faltin und Harry Kraft hielten in den nötigen Momenten das Feld zusammen, oder bremsten es, um mich und Freyer bestmöglich entkommen zu lassen. Sebastian Frey konnte sich mit seiner Erfahrung und seiner Sprintstärke innerhalb einiger Tage oftmals davonschleichen und belegte neben mir die meisten Platzierungen. In den letzten Tagen schielten wir nicht nur auf das Trikot des besten Sprinters, wir hielten und verteidigten es.

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Da der Gesamtführende Aurellion Passeron (ehemals Saunier Duval) gesundheitlich schwächelte und deswegen 3 Rennen aussetzte, übernahm ich von ihm am vorletzten Tag das Gelbe Trikot. Von nun an hatte ich jedoch ein Problem: Die 4 Sprintwertungen pro Rennen, welche jeweils bei Runde 50, 40, 30 und 20 ausgetragen wurden, stellten schlechthin die Gefahr dar, das Gelbe Trikot zu verlieren. Denn nach einer ausgefahrenen Wertung braucht man immer ein bisschen Zeit zur Erholung und genau in dieser Rennphase attackierten die anderen Jungs, der Gesamtwertung, um mich abzustellen. Jonathan Cantwell (Fly V Australia) erledigte dies in Perfektion und nahm mir das Gelbe Trikot gnadenlos nach einem Tag wieder ab. Er gewann die letzten Rennen, vor allem dank seines bärenstarken Anfahrers Ben Kersten.

Ich sicherte den zweiten Platz ab und verteidigte gegen Philipp Mann (Bahati Foundation) das Rote Trikot. Damit kann und konnte ich mehr als zufrieden sein und habe hiermit einen meiner größten Erfolge zu feiern. In den kommenden Tagen / Wochen wird sich hoffentlich meine sportliche Zukunft klären und ich finde ein neues Team.

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