Wintersaison 07/08


Ehrlich gesagt, Lust hatte ich keine bereits 3 Tage nach der Deutschen Meisterschaft schon wieder ein Rennen zu fahren. Da ich damit jedoch einen Besuch einer richtig guten Freundin verbinden konnte, fuhr ich nach Surhuisterveen. Zur Rennstrecke kann ich nur eins sagen – Wiesenkriterium mit Windkante… Der technische Anspruch lag alleinig in einer Sandpassage und einem kleinen Waldstück.

Ich durfte mich in der zweiten Reihe aufstellen und fuhr wie immer einen guten Start. In den ersten beiden Runden dachte ich, dass jeden Moment meine Beine platzen.

Und dabei bin ich nur mitgefahren und habe keinen Meter geführt!

Aber im Laufe des Rennens wurde es besser und ich konnte mich in der Gruppe mit Erwin Verwecken (Weltmeister 2007 und 2006) und Christian Heule festbeißen. Jedenfalls blieben wir das gesamte Rennen zusammen und in der letzten Runde folgte eine Attacke der Nächsten. Letztendlich musste ich die älteren Haudegen ziehen lassen und belegte einen guten 12ten Rang noch vor dem Belgischen U23-Meister.

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Huihuihui, das war ein Rennen, wie ich es noch nie erlebt habe.

Es war physisch wie psychisch das schwerste Rennen, welches ich jemals gefahren bin.

Alles in allem war Malte einfach nicht zu schlagen, denn die Stimmung auf seiner Heimstrecke und die Streckensprecher, die ihn immer wieder anfeuerten, peitschten ihn regelrecht auf das Siegertreppchen.

Gratulation und Hochachtung an Ihn, denn er und sein Betreuerteam bewiesen die stärksten Nerven.

Aber erst mal alles aus meiner Sicht zum Rennverlauf:

Ich kam sehr gut vom Start weg und war mit dem Eingang ins Gelände an Maltes Hinterrad angekommen. Kaum war ich dran, ging ich auch schon vorbei und versuchte in der Laufpassage die ersten Meter an Vorsprung herauszulaufen. Nahezu problemlos hatte ich eine Lücke von 30m und kämpfte von nun an allein an der Spitze um meine Titelverteidigung. In der dritten Runde schloss Paul Voß (Lamonta) kurzzeitig zu mir auf, aber so schnell er gekommen war, war er auch wieder weg. Ich erfuhr später, dass ein Schaltungsdefekt ihn heimsuchte.

Mit Eingang in die vierte Runde und in die zweite Hälfte des Rennens schrumpfte mein Vorsprung, der immer so um die 25 – 15 Sekunden betrug, komplett und Malte war an meinem Hinterrad. Sofort versuchte er anzugreifen, doch ich konnte kontern, fuhr eine etwas bessere Linie und profitierte davon, dass Malte nach der zweiten Wechselzone den Boden küsste (dies erfuhr ich erst nach dem Rennen, da ich in dieser Situation vor ihm war). Plötzlich hatte ich abermals einen Vorsprung von 25 Sekunden, und konnte meinen Vorsprung bis in die letzte Runde halten. Hinzukam, dass ich mit Eingang in die letzte Runde bereits rund 59min auf dem Buckel hatte…

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In der letzten Runde kam Malte wieder und alles ging von Neuem los – eine Attacke folgte der nächsten und keiner konnte sich entscheidend absetzen. Mit Eingang in das zweite Depot wollte ich unbedingt als Erster einfahren und war überrascht, dass meine Betreuer am Anfang von diesem standen. So sehr, dass sie mir regelrecht mein altes Rad unter meinem Po wegreißen mussten und ich nicht auf, sondern neben mein Neues gesprungen bin. Maltes Jungs standen am Ende des Depots und er konnte seinen Schwung aus der vorherigen Gerade nutzen und wechselte somit wesentlich besser als ich. Eine Lücke von 10m war da und der Jubel der Zuschauer groß. Ich brach entkräftet ein und war völlig demoralisiert. Kaum aufgerappelt kam Johannes von hinten angepeitscht und schwupps fiel ich auf den letzten Metern von Platz Eins auf Drei.

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Alles in Allem, bin ich ein sehr gutes Rennen gefahren und gratuliere Malte von ganzem Herzen zu seinem Sieg. Sicherlich hat er es nicht immer leicht mit mir gehabt, doch der Bessere dieses Tages hat sich durchgesetzt und gewonnen.

Für mich selbst geht damit nicht die Welt unter, denn Radsport ist nicht alles… Und Hoogerheide kommt noch… ;-)

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Das war unser Liveticker von diesem hochdramatischen Rennen:
14:27 Uhr: Wir beginnen in wenigen Minuten mit dem Liveticker vom Elite-Herrenrennen bei der Cross-DM in Herford. Die Herforder blicken natürlich gespannt auf Lokalmatador Malte Urban, der als Top-Favorit ins Rennen geht. Er hat mit Finn Heitmann einerseits einen Mann aus dem eigenen Lager an der Seite, andererseits aber auch einen Konkurrenten. Den Herfordern nichts schenken werden die beiden Titelträger der letzten zwei Jahre, der Sachse René Birkenfeld und der Wahl-Hamburger Johannes Sickmüller. Die große Unbekannte im Feld ist ein U23-Fahrer: Paul Voß hat auf das Rennen in seiner Klasse verzichtet und will im Elitefeld zeigen, was er kann.
14:38 Uhr: Und sie sind gestartet hier in Herford unter einem erstaunlich blauen Himmel: Die Sonne steht schon tief, aber sie scheint. Nach drei Vierteln der ersten Runde führt der Titelverteidiger: René Birkenfeld verschafft sich gleich mal Respekt, aber Malte Urban ist an ihm dran. An dritter Position rudert Paul Voß durch den Matsch, verfolgt von Johannes Sickmüller. Und dahinter sieht man Finn Heitmann. Alle Favoriten also vorne mit dabei.
14:45 Uhr: Der Kurs trocknet aufgrund der Sonnenstrahlen ein wenig ab, er ist dadurch weniger »flüssig« als noch im Juniorenrennen. Es wird eine Materialschlacht: Alle außer Sickmüller haben bereits die Räder gewechselt. Stress pur für die Mechaniker - sie reichen den Fahrern die Räder gleich so zum Schultern hinauf, dass sie ohne Halt weiterlaufen können.
14:48 Uhr: Und wieder hat Sickmüller nicht gewechselt, während Malte Urban durchs Depot läuft und dadurch den zweiten Platz an den Hamburger abgeben muss. Vorne ist mit etwa 15 Sekunden Abstand weiterhin René Birkenfeld unterwegs. Paul Voß hatte mechanische Probleme und musste Sickmüller ziehen lassen. Riesenhektik bei den Betreuern, die verflixt schnell die Räder sauber kriegen müssen.
14:55 Uhr: Es hat sich nicht viel geändert: »Birke« alleine vorne, Sickmüller hängt sich – taktisch klug – hinten an Malte Urbans Fersen und beobachtet ihn. Auf den vierten Rang nach vorne gekommen ist inzwischen Fabian Brzezinski im Wendland-Trikot. Finn Heitmann an fünfter Position, eng verfolgt von Paul Voß und Sebastian Hannöver. Und dann kommt eine längere Pause: Die Medaillen werden hier vorne ausgefahren.
14:58 Uhr: Gerade kam Jupp Arenz, Focus-Produktmanager, vorbei – kopfschüttelnd, denn er ist gar nicht glücklich über das, was er hier sieht: Sein Schützling Malte Urban wird sich wohl schwer tun, Birkenfeld noch zu erwischen. Und wenn, dann hat er auch noch Sickmüller im Nacken.
Übrigens ist auch Alb-Golds Hannes Genze im Rennen: Er ist vor wenigen Sekunden direkt vor uns formschön in den Matsch gestürzt. Genze bewegt sich zwischen Platz 10 und 15.
15:07 Uhr: Hat Urban letztlich gut gepokert? – Riesenbegeisterung unter den mehreren tausend Zuschauern hier in Herford, denn der Lokalmatador dreht gerade den Spieß um. Malte Urban hat sich an die Spitze gesetzt! Rene Birkenfeld bekam deutlich sichtbar Probleme in den letzten Minuten, Urban hat ihn eingeholt und überholt. Und Sickmüller scheint ebenfalls eine Krise zu haben, nur mit großer Mühe hält er sich an Urbans Hinterrad.
15:23 Uhr: Es ist ein spannendes, es ist ein dramatisches, es ist ein hochbrisantes Rennen: Wieder hat es sich gedreht! Birkenfeld hat nach seinem Durchhänger wieder das Zepter in die Hand genommen, ist an Urban vorbeigezogen und führt mit gut zehn Sekunden (Nachträgliche Anm.d.Red.: Urban war zwischenzeitlich in ein Absperrgitter gefahren und gestürzt – so konnte Birkenfeld wieder vorbeifahren). Der Dresdner macht einen merklich entspannteren Eindruck als in der Situation zuvor, er wirkt souverän. Dahinter wechseln sich Urban und Sickmüller an der zweiten Position ab, wobei Sickmüller natürlich kein Interesse daran hat, Urban an seinen führenden Teamkollegen heranzuziehen. Die überaus »patriotischen« Moderatoren vor Ort sind nicht ganz happy mit der derzeitigen Konstellation.
15:27 Uhr: Hinter dem Führungstrio ausnahmslos als Solisten unterwegs: 4. Heitmann, 5. Brzezinski, 6. Hannöver, 7. Thorsten Struch (in seinem Abschiedsrennen), 8. Voß, 9. Genze, 10. Hill.
15:34 Uhr: Was für ein Thriller! In die letzte Runde führt Malte Urban, mit Birkenfeld an seinem Hinterrad. Die Zuschauer sind voillkommen aus dem Häuschen. Nur zehn Meter dahinter Sickmüller. In Strömen eilen die Zuschauer jetzt an die 150 Meter lange Zielgerade, alle laufen wie die Hasen. Zieht einer davon? Wird es ein Sprint? …
15:38 Uhr: Und wir haben einen strahlenden Sieger: Malte Urban hat sich in der letzten Runde von Rene Birkenfeld gelöst und ist Deutscher Meister. Silber geht an Sickmüller, der noch an Birkenfeld vorbeiziehen kann.

Quelle: www.bike-guide.com

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Mit dem 23.12. fuhr ich also von Zeddam wieder nach Hause, um Heiligabend mit meiner Familie zu feiern und um etwas zur Ruhe zu kommen. Denn am ersten Weihnachtstag ging es für mich direkt wieder nach Belgien zum Weltcup.

Leider hatte ich nach dem Depot in der Ersten Runde einen Platten am Vorderrad, so dass ich eigentlich unter die Dusche hätte fahren können. Ich beschloss jedoch für mich, dass ich das Rennen nicht einfach so aufgeben werde, sondern als Training nutze. Die Sandpassagen versuchte ich möglichst flüssig zu fahren und genoss regelrecht die Stimmung der Zuschauer an der Strecke. Normalerweise ist man als Rennfahrer durchweg mit seinem Rennen beschäftigt, aber diesmal habe ich nach links und rechts geschaut. Mein 41ter Platz ist somit nicht wirklich zu werten…

Zwei Tage später sollte es mir bei der GVA Trophy in Loenhout besser ergehen. Ich startete wie oftmals ganz gut und rannte in der langen knöcheltiefen Laufpassage an vielleicht 10 Jungs vorbei und fuhr zunächst in der Spitzengruppe als letzter Zipfel mit. Da aber das angeschlagene Tempo mir wirklich ganz schön weh tat, verlor ich diese wieder und drehte zunächst mit Christian Heule ein paar Runden. Am Ende konnte ich den Sprint gegen alle anderen Jungs in meiner Gruppe gewinnen und wurde 22ter. Apropo Sprint: Es sage einmal einer noch ich habe dicke Beine - der gucke sich mal Jeremy Powers (Cannondale) an…

Wiederum zwei Tage später folgte Rennen Nummer 5 - Deutschlandcupfinale in Vechta. Zur Strecke und der Ganzen Organisation gibts immer wieder nur eins zu sagen: TOP… Mir gefällt die Runde wirklich gut und ich kann jedes Jahr etwas anderes bei diesem Rennen dazulernen. Letztes Jahr - fahre niemals den Sprint von hinten, sondern von vorn - Malte besiegte mich um Haaresbreite. Hier der Zieleinlauf vom letzten Jahr.

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Aber dieses Jahr war meine Aufgabe von Anfang an klar. Ich sollte für den Doppelerfolg des Stevens Team arbeiten und dazu beitragen den Gesamtsieg für Johannes zu sichern. Ich hielt Anfangs die Gruppe von Finn, Malte, Sese, und mir zusammen und arbeitete nach Johannes seinem Angriff ausschließlich für seinen Vorsprung. In der letzten Runde, als ich selbst mein Glück versuchte, sprang mir im Wäldchen meine Kette über das größte Ritzel und schwups, weg war die Hoffnung auf einen Doppelerfolg. Darauf sichtlich entnervt, guckte ich mein Rad an, kappierte zunächst nicht wieso das passieren konnte, da wir am Tag zuvor das Rad komplett gewartet haben und fuhr nach vielleicht einer Minute erst weiter. Nach dem Rennen stellte sich heraus, dass die Begrenzung des Schaltwerkes und alles perfekt eingestellt war und dass es nichts mit meiner Technik zu tun hatte. Ich hatte schlichtweg Pech, und die Erschütterung in der Kurve war schuld… Egal…

Aber das Gute daran ist: Nächstes Wochenende bei der DM in Herford habe ich als Entschädigung doppeltes Glück.

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Am folgenden Tag fuhr ich in Zeddam (Niederlande) nahe der deutschen Grenze mein zweites Rennen in der Weihnachtszeit. Meine Platzierung vom Vortag machte mir natürlich Mut und ich versuchte dieses Ergebnis zu bestätigen. Am Start kam ich perfekt weg und mit Eingang in das Gelände fuhr ich unter den ersten 12. Leider ließ Ryan Trebon (USA – Kona) die Gruppe an der 100 Stufen zählenden Treppe wegfahren und wir versuchten zu zweit in den folgenden drei Runden die Lücke zu dieser zu schließen. Letztendlich brach er ein und ich fuhr mit der nächsten Verfolgergruppe mit, in der auch Malte und Finn zu finden waren. In der Mitte des Rennes, in dem Moment als Gerben de Knecht nach seinem Platten wieder nach vorn stürmte und einige von uns mitgehen wollten, verlor ich in einer Kurve die Kontrolle über mein Rad und rutschte mit ca. 30km/h weg und küsste den schlammigen Boden. Ich hatte ein Ziehen und Schmerzen im Oberschenkel, so dass ich kurz davor war, das Rennen zu beenden. Doch als ich vom Zielrichterwagen erfahren habe, dass ich immer noch auf Position 13 fahre, beschloss ich einfach durchzuhalten. In den letzten Runden fuhr trotz allem nur noch mit 85% und versuchte schlichtweg nicht all zu viele Positionen zu verlieren. Dies gelang und ich wurde 14ter.

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